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Rezension: Less is more. Minimalismus in der Mode: Minimalismus in der Mode. Umfassend bebildert mit historischen Archivbildern, Originalzeichnungen, Portraits ... extra für das Buch entstandenen Fotografien (Gebundene Ausgabe)


Dieses aufschlussreiche Buch von Harriet Walker thematisiert den Minimalismus in der Mode, gemeint ist damit eine Schule innerhalb des Modedesigns, die sich der Vereinfachung von Kleidern verschreibt. Dabei ging es dieser Stilrichtung vom Beginn des 20. Jahrhunderts darum, pragmatische und funktionelle Kleidung für Frauen zu schaffen, die technisch hochwertig ist. Coco Chanel zielte damals bereits darauf ab, alles Unnötige, die Funktion beeinträchtigende zu eliminieren.

Man wollte die Werte der Damenmode neu definieren, wobei Modernität zu diesem Zeitpunkt als Vereinfachung im Sinne einer Klärung der Linie begriffen wurde. Walker betont, dass sich Verzierung und Minimalismus zwar nicht zwingend ausschließen, allerdings muss jede Form von Dekoration aus der Struktur des Kleides hervorgehen. Das besagt, dass es an einem Kleidungsstück nichts geben darf, was für die Gesamtstruktur irrelevant ist. Jedes Element sollte ein essentieller Teil des Ganzen sein. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Minimalismus das Überflüssige und Oberflächliche meidet.

Wie man erfährt, ging der frühe Modeminimalismus mit einem Bewusstseinswandel einher, der gesellschaftspolitische Gründe hatte. Die Geschichte des Aufstiegs der modernen Frau wird im im Aufstieg Modeminimalismus dokumentiert. Die Garderobe der Frau wurde einfacher, damit sie besser den zahlreichen Anforderungen des Lebens gerecht werden konnte. Rückschläge in der Entwicklung des Minimalismus stand in Beziehung mit antifeministischen Gegenreaktionen in den 1950er und 1980er Jahren.

Minimalismus soll im Ruf stehen betont akademisch, anspruchsvoll und exklusiv zu sein, allerdings unterstreicht Jil Sander, dass diese Stilrichtung heute keineswegs mehr so kopflastig sei, sondern instinktiver und hedonistischer. In der Mode veranschaulicht der Minimalismus Möglichkeiten des Arbeitens und Sich-Kleidens, die uns Frauen letztlich dazu verhelfen, das Leben zu vereinfachen. So jedenfalls haben ihre Vertreterinnen Chanel, Mc Cardell, Jil Sander und auch Donna Karan es formuliert.

Ziel des Buches ist die Würdigung der minimalistisch orientierten Modedesigner. In neun Kapiteln hat man Gelegenheit sich einen Überblick von der Vereinfachung der Damenmode in der Moderne ab 1906 bis zum minimalistischen Revival zwischen 2007-2010 und aufgrund der vielen Modefotos auch einen sehr guten visuellen Eindruck von der Stilrichtung, deren Grundgedanke sich in den Worten weniger ist mehr" ausdrücken lässt, zu verschaffen.

Als Liebhaberin minimalistischer Mode, begeistert mich, neben dem textlichen Überblick natürlich auch die visuelle Darstellung. Über meinen Lieblingsdesigner Armani erfahre ich, dass ihn die minimalistische Kunst zur schlichten Eleganz seiner Kreationen motiviert habe. Armani gilt nicht grundlos als Mode-Ästhet. Seine Kreationen sind eine Spur femininer wie jene Jil Sanders, die mir mitunter zu puristisch daher kommt. Doch das ist Geschmacksache.

Es ist unmöglich über all die im Buch benannten Modemacher im Rahmen der Rezension etwas zu schreiben. Feststellbar ist, dass der Minimalismus mittlerweile zum Sinnbild moderner Mode geworden ist und das in erster Linie deshalb, weil er eine Ästhetik verkörpert, die sich zum Ziel gesetzt hat, dass auch Frauen selbstbestimmt leben können.

Empfehlenswert.

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Rezension:Frauen mit Stil - Modeträume aus drei Jahrhunderten (Gebundene Ausgabe)

Prof. Dr. Gertrud Lehnert thematisiert in ihrem Buch Modeträume von Frauen aus drei Jahrhunderten. Es geht um das Phänomen des Stils. Dabei erklärt sie zunächst, was man unter Zeitstilen zu verstehen hat, bevor sie erläutert, was eine Frau mit Stil im Kern ausmacht. So viel nur: Eine solche Frau ist in der Lage aus einer Fülle von Angeboten Kleidungsstücke und Accessoires auszuwählen und auch zu kombinieren, so dass auf diese Weise aus den Vorgaben der Designer ihr ganz persönlicher Stil zu werden vermag.

Stil in diesem Sinne ist nach Auffassung der Autorin nicht zwingend abhängig von den finanziellen Möglichkeiten. Wichtig ist im Grunde nur, dass man einen sicheren Geschmack hat. Dieser muss noch nicht einmal gefällig sein.


Im vorliegenden Buch lernt man eine Vielzahl von Gemälden kennen, die Frauen in modischer Kleidung zeigen. Der Reigen beginnt mit Francois Bouchers "Madame de Pompadour", 1758 und endet mit einem Bild von René Gruau "Entwurf für Christian Dior" von 1948. Vorgestellt werden die modischen Frauen in realen wie imaginären Räumen und zwar ernsthaft, bewundernd, ironisch oder gefährlich, so die zutreffende Charakterisierung Prof. Dr. Lehnerts.

Zunächst wird die Frau und ihr Spiegel in Augenschein genommen. Mode benötigt den Spiegel. Modisch sein heißt stets auch sich zur Erscheinung zu bringen, für die eigenen Augen und für die anderen. Da man dies lernen muss, benötigt man den Spiegel, weil dieser Kontrolle möglich macht. Die Autorin macht klar, dass dann, wenn wir uns spiegeln, wir im eigenen Bild das Bild des anderen sehen, das wir verinnerlicht haben. Zudem sehen wir uns mit den Augen der anderen, die uns stets spiegeln, (vgl.: S.15).

Anhand von einigen der gezeigten Gemälde stellt die Autorin Betrachtungen an, in denen der Spiegel eine Rolle spielt. Hier auch erfährt man, dass der Spiegel Raum schafft und Tiefe erzeugt, die an sich nicht vorhanden sei. Sofern man sich von mehreren Spiegeln spiegeln lässt, entsteht ein illusionärer Raum der Verwirrung. Der Spiegel könne einer Frau, die schaut, sowohl Wirkliches als auch Imaginäres zeigen und ihr dabei helfen, eine Vorstellung, ein Bild zu verwirklichen, das es bislang noch nicht gab, aber möglicherweise geben wird, (vgl.: S. 16).

Im zweiten der insgesamt vier Kapitel lernt man auf den gezeigten bildlichen Darstellungen Frauen beim Schaufensterbummel kennen. Hier geht es um die Suche nach dem schönsten Kleid in unterschiedlichen Zeiten. Seit dem 18. Jahrhundert dienten Schaufenster als Auslagen der damals zumeist kleinen Geschäfte. Man liest hier über die weitere Entwicklung hin zu den großen Warenhäusern des 19. Jahrhunderts, die zur Eventkultur führte. Shoppen als zentrale Freizeitbeschäftigung vieler Menschen, das immer raffinierter gestaltet wird, (vgl.: S. 42).

Gemälde wie "Im Pariser Warenhaus- Bon Marche", 1890 von Félix Valloton, auch "The Shop Girl", 1883-85 von James Tissot und "Modegeschäft", 1913 von August Macke illustrieren den Text vortrefflich.

Man liest des Weiteren von den ersten Modeschöpfern und lernt auf einem Gemälde von Éduard Vuillard die Unternehmerin Jeanne Lanvin kennen, die als Modistin begonnen hat und 1925 in ihrer Firma 800 Mitarbeiter beschäftigte.

Jeanne Paquin war eine der ersten großen weiblichen Modeschöpferinnen. Der Maler Isaac Israel zeigt auf einem seiner Bilder ihr Nähatelier.

In den dann folgenden Betrachtungen und Bildern werden müßige Momente thematisiert und die unterschiedliche Kleidung, die zu verschiedenen Anlässen getragen wurde, sei es im 18., 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Hier auch wird sich der Frauen und ihrer "sportlichen" Kleidung erinnert, in jenen Tagen als sie das Autor für sich eroberten oder es wird auch der Wintersportkleidung für Damen gezeigt, beispielsweise auf dem Gemälde "Praktische Wintersportkleidung", 1925 von Lieselotte Friedländer.

Im vierten Kapitel schließlich werden die großen Auftritte thematisiert, die formellere, reich geschmückte Kleidung, die ein entsprechendes Auftreten von Frauen notwendig machte. Die vorgestellten Gemälde des 18., 19., und frühen 20. Jahrhunderts zeigen, worum es hier geht. Die Frauen sehen alle "wie aus dem Ei gepellt" aus, vielleicht deshalb, weil ihr Leben so ereignislos war, dass sie die Mode benötigt haben, um sich zu beschäftigen. Diese Ansicht vertrat der Soziologe Georg Simmel und hat damit vielleicht nicht so Unrecht.


Ein sehr gutes Buch, mit vielen beeindruckenden Gemäldeablichtungen. Die Gemäldebeschreibungen haben mich sehr beeindruckt.

Empfehlenswert.


Bei den Bildern aus „Frauen mit Stil“ lautet der Bildnachweis:

S. 93: Joaquín Sorolla y Bastida (1863–1923), Paseo a orillas del mar (Spaziergang am Strand), 1909, Madrid, Museo Sorolla (Bildnachweis: Elisabeth Sandmann Verlag / akg-images/Erich Lessing)

S. 128: Giovanni Boldini (1842–1931), Bildnis einer jungen Dame in rosa Kleid im Atelier, 1912, London, Sammlung Lady Jane Abdy (Bildnachweis: Elisabeth Sandmann Verlag / akg-images/Archives CDA/Guillot)

S. 29: Leo Putz (1869–1940), Dame in Blau, 1908, Meran, Sammlung Siegfried Unterberger (Bildnachweis: Elisabeth Sandmann Verlag / akg-images)

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Rezension:GUCCI: The Making Of (Gebundene Ausgabe)

Dieser Prachtband der Autoren Peter Arnell, Mitbegründer der einflussreichen Kreativagentur Arnell Group und deren langjähriger Vorsitzender sowie "Chief Creative Officer", Christoffer Breward, Professor für "Historical and Cultural Studies" am London College of Fashion, Katie Grand, Modejournalistin und Herausgeberin von Love, Rula Jebreal, Schriftstellerin und Stefano Micellli, Professor an der Universität Ca Foscari in Venedig enthält aufschlussreiche Essays, Anmerkungen zur Geschichte und Gegenwart der Modelegende Gucci und viele Bilderaus Magazinen, Filmen, sowie aus dem historischen Gucci-Archiv.


Guccio Gucci begann zu Beginn der 1920er Jahre in Florenz in einer kleinen Werkstatt hinter seinem Laden damit, aus hochwertigem Leder von toskanischen, deutschen und englischen Herstellern Taschen und Lederkoffer herzustellen. Seine drei Söhne trieben das Unternehmen erfolgreich voran, wobei sein Sohn Aldo der Visionär war, der die Firma weltweit bekannt machte. Die Taschen und Koffer aus dem Hause Gucci wurden im Laufe der Jahre immer eleganter und so wurde in den 1950er und 1960er Jahren das Label Gucci von Hollywood-Stars, Szenekennern und modebewussten Damen präferiert.

Fürstin Gracia Patricia von Monaco gab den Anstoß der Ausweitung der Produktpalette über die Lederprodukte hinaus, darüber wird wie über vieles andere mehr Anekdotisches berichtet und in der Folge der weitere Werdegang der Firma breitgefächert dem modeinteressierten Leser dargeboten.


Man lernt die Kreativdirektorin Frida Giannini kennen, die den Schwerpunkt ihrer Arbeit darin begreift, klar zu sehen, um die Ziele der Marke, zu welchen Bedingungen auch immer, zu erreichen. Sie erkannte im Jahre 2009 intuitiv und gerade noch rechtzeitig das Potential sozialer Netzwerke und verlagerten die Kommunikation auf Facebook und Twitter. Sie sieht die Aufgabe eines Modeschöpfers heute darin, bis zu einem gewissen Grad die Sehnsüchte vorwegzunehmen und zu der eigenen Zuhörerschaft zu sprechen.

Vorgestellt werden der Selfmade-Unternehmer und Besitzer des Luxusgüterkonzerns Francois Pinault und die Ceo`s von Gucci aber auch den Star- Designer Tom Ford, der viel dazu beitrug, dass die Verkaufszahlen von Gucci - noch bevor aus Gucci die Gucci Group wurde - in die Höhe schnellten.


Über die Marke "Gucci" wird man breitgefächert unterrichtet und in diesem Zusammenhang auch über den "Liftboy" als Markensymbol, durch den Dynamik, Kosmopolitismus und Lebensfreude zum Ausdruck gebracht werden soll.


Aufgeklärt wird man über die Muster von Gucci und lernt diese auch anhand von Bildern kennen, so etwa das "Flora-Design", eine bezaubernden Komposition aus Blumen, Beeren und Insekten, dargestellt mit der Präzision eines Naturforschers, in 37 Farben auf weißen Untergrund. Dieses Muster war von Anbeginn an sehr erfolgreich und erlebte im Jahre 2005 einen erneuten Aufschwung durch die "Cruise-Collection". Das war die erste Kollektion, die Frida Giannini in ihrem eigenen Namen designte. Im vorliegenden Prachtband werden Taschen und Schuhe, auch Kleider mit dem schönen, sommerlichen Muster vorgestellt und auch ein hinreißender Badeanzug.
Man lernte das Muster "Diamante -Canvas" kennen, ein Muster für Gucci-Lederwaren. Bei genauerem Hinsehen dieses schräg verlaufende Gittermusters kann man erkennen, dass es aus Reihen kleiner dunkler, kleiner Quadrate in diagonaler Anordnung besteht.
Über die Lederwaren von Gucci wird man aufgeklärt und hier über das Guccissima-Leder, das die zeitgenössische Identität eines aus der Kraft der Tradition hervorgegangenen Markenzeichens ist.
Die Mokassins von Gucci werden thematisiert. Ihr geschmeidiges Oberleder und die Flexibilität der Sohle wurde der traditionellen Schuhanfertigung der amerikanischen Urbevölkerung entliehen.


Dann lernt man das "Grün-Rot-Grün"- Markenzeichen und dessen Bedeutung näher kennen und kann sich in eine Fülle von Produkten visuell vertiefen, andere Muster, wie mehrfarbige Streifen auf Taschen kennenlernen und nachlesen, was man unter "Bamboo Bags" zu verstehen hat.

Produkte dieser Firma für den Reitsport bleiben nicht ausgespart und es wird unmissverständlich klar gemacht, dass die First Ladies in aller Welt diese Marke von jeher geliebt haben. Die Bestellung einer "beautiful Jackie bag" seitens Michele Obama vom 14.1.2011 ist sogar beigefügt.

Werbekampagnen werden beleuchtet, wobei ich fast meine, dass die vielen Starfotos im Buch überzeugend genug wirken. Männer im Gucci-Look runden das Bild dann schließlich ab, bevor man über die Parfums von Gucci näher aufgeklärt wird, die seit 1975 zur Produktpalette gehören.

Es ist an dieser Stelle nicht möglich auf alle Facetten im Buch hinzuweisen. Erwähnen möchte ich allerdings die Stores, von denen es heute weltweit 317 an der Zahl gibt und das soziale Netzwerk. Zur Produkteinführung werden Neuheiten stets auf Twitter vorgestellt. Auf der Homepage von Gucci wird nicht zuletzt über cineastische, ökologische, humanitäre und künstlerische Initiativen informiert. Das Motto lautet "Content ist the king". Bei Gucci weiß man, dass der Auftritt im Internet die Basis für gute Geschäfte darstellt. Man geht mit der Zeit und wird deshalb auch in der Zukunft erfolgreich sein.

Ein tolles Buch, in vieler Hinsicht hochinformativ und sehr lehrreich.

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Rezension:Die Schönheit der Zeit: Die Uhren von A. Lange & Söhne (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch wird all jene interessieren, die schönen Uhren etwas abgewinnen können. Vorgestellt werden Produkte der Firma A. Lange und Söhne. Wie der Unternehmer Walter Lange in seinem Vorwort bekundet, wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts seitens seines Uhrgroßvaters die sächsische Uhrenmanufaktur in Glashütte bei Dresden gegründet. Bis zur Zwangskollektivierung der ostdeutschen Uhrenindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dort Präzessionstaschenuhren hergestellt. Diese zählten einst zu den renommiertesten und wohl auch begehrtesten Uhren der Welt.

Niemann berichtet in der Folge (sehr spannend zu lesen) von der Geschichte der Uhrmacherei in Glashütte und dem Aufstieg von A. Lange und Söhne. Diese Geschichte begann eigentlich bereits mit dem Schwiegervater und Lehrherren von Ferdinand Adolph Lange. Der Schwiegervater namens Johann Christian Friedrich Gutkaes erbaute nämlich die berühmte Fünf-Minuten-Uhr für die Semper-Oper in Dresden.

Während Ferdinand Christian Langes Berufsleben, das mit der Lehre bei seinem späteren Schwiegervater begann, setzte dieser sein weitsichtiges Konzept um und baute seine Uhrenmanufaktur auf. Zudem verbesserte dieser Mann als Bürgermeister von Glashütte dessen Infrastruktur. Dies führte dazu, dass sich viele kleine Spezialwerkstätten ansiedelten, nicht selten gegründet von Personen, die bei ihm in die Lehre gegangen waren. In einem späteren Kapitel liest man dann Näheres zur Wiedergeburt der Traditionsfirma.

Der Autor macht seine Leser im Rahmen seiner Texte u.a auch mit historischen Taschen- und Armbanduhren von A. Lange und Söhne vertraut, die man auf Fotos bewundern kann.

Thematisiert werden nicht zuletzt die traditionellen Werte der Marke A. Lange und Söhne und ihre zeitgemäße Interpretation. In diesem Zusammenhang kommentiert Walter Lange "Wer einen Zeitmesser von A. Lange und Söhne in den Händen hält, erkennt sofort, dass er etwas Besonders vor sich hat. Doch um wirklich zu begreifen, was dessen Einzigartigkeit ausmacht, muss man die Entstehung einer Lange-Uhr an ihrem Heimatort erlebt haben: in Glashütte in Sachsen. Denn nur wer bei einem Besuch der Langeschen Manufaktur den Meisteruhrmachern bei ihrer konzentrierten Arbeit über die Schulter schauen durfte, versteht, wie viel Handwerkskunst, Präzision und vor allem Leidenschaft in den Zeitmessern mit der Signatur A. Lange und Söhne stecken," ( Zitat S.41).

Vorgestellt werden Modelle und Modellreihen von A.Lange und Söhne und hier die sogenannten Dreizeigeruhren. Das erste Modell dieser Art wurde von Lange übrigens im Jahre 1815 hergestellt. Man hat Gelegenheit durch fotografische Darstellung in Uhrwerke hineinzuschauen, lernt u.a. Wissenswertes über die Gangreserveanzeige und andere Komplikationen kennen, lernt sogar den Antrieb über Kette und Schnecke zu begreifen und erhält einen Eindruck über die 465 Komponenten des Tourbographs "Pour la Mértie". Kalender und ewiger Kalender in Uhren werden erläutert, auch erhält man nähere Infos zur ersten Schlagwerkuhr mit digitaler Zeitanzeige, um schließlich durch den Bericht über den Besuch der Manufaktur, sich dieses Reiseziel für den nächsten Besuch in Sachsen vorzumerken.

Im Anhang findet man eine Zeittafel zur Geschichte von Lange und Söhne, ferner werden Datenblätter zu einzelnen Objekten aufgelistet. Näher erläutert werden jeweils das Uhrwerk, das Teilzahluhrwerk, die Lagersteine, das Schwingungssystem, das Band, das Zifferblatt u.a. mehr.

Uhrenliebhaber werden an diesem Buch viel Freude haben. Wer plant eine Lange-Uhr zu kaufen, sollte sich zuvor mit diesem Buch näher befassen, aber auch Menschen, die eine solche Uhr bereits besitzen, werden nach der Lektüre erst wirklich wissen, welchen Schatz sie ihr Eigen nennen.

Empfehlenswert.

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Rezension: Eyewear (Gebundene Ausgabe)

Das vorliegende, reich bebilderte Buch erzählt die Geschichte des Brillendesigns. Die Texte sind in englischer, französischer und deutscher Sprache abgedruckt. Da ich ein sehr großes Faible für schöne Brillen, speziell für Sonnenbrillen habe, ist das Buch für mich ein ganz besonderes Vergnügen. Deshalb werde ich mich auch zukünftig immer wieder von "Eyewear" inspirieren lassen.

Worum geht es in den insgesamt fünf Kapiteln? Zunächst einmal um die ersten Brillen. Schon in der Antike wusste man in Griechenland wie man Linsen schliff, 2000 Jahre alte Berichte aus China enthalten sogar bereits Hinweise auf Sehhilfen.

Als Urvater der Optik wird Ibn el Haitam genannt, der im 11. Jahrhundert in Kairo lebte. Im 13. Jahrhundert dann verwendete man erstmals geschliffene Linsen. Damals wurde die erste geschliffene Lesebrille erfunden. In jenen Zeiten war die geschliffene Brille ein Symbol für Bildung und für den gesellschaftlichen Rang eines Mannes, der lesen und sich geschliffene Gläser leisten konnte.

Etwa 200 Jahre nach der Erfindung der Buchdruckerkunst vermochten sich fast alle in jeder Stadt in Europa, Brillen bei reisenden Händlern von den Karren zu kaufen. Von da an wurde die Brille zum Stigma. Sie wurde zum Ausdruck von körperlicher Schwächlichkeit und körperlicher Einschränkung. Ab den 1880er Jahren dann wurde die Augengläser mit dem dünnen Drahtgestell zur Norm.

Vorgestellt werden u.a. sogenannte "Lorgnons", das sind Brillen am Stiel, die im 19. Jahrhundert in Mode kamen, auch vom Monokel ist die Rede, bevor man mit Brillen konfrontiert wird, die zwischen 1900-1945 entstanden sind. 1968 entwickelte John W. Hyatt das Zelluloid. Durch dieses Material und verbesserte Techniken wurde die Sehhilfe zum ganz großen Geschäft. Nun auch entstanden Sport- und Schutzbrillen, die man, wie unzählige andere Brillenmodelle im Buch, alle auch bildlich kennenlernt.

Zwischen 1945-1960 boomten die Sonnenbrillen. Nun befassten sich Modedesigner mit diesem Accessoire und beseitigten das Stigma, das dem Brillentragen so lange anhaftete. Es werden eine Vielzahl von Designerbrillen aus jenen Jahren vorgestellt, bevor man die Brillenmode zwischen 1960-1970 beleuchtet. In diesen Jahren verschmolz die Brillenherstellung immer stärker mit der Ästhetik der Ära. Dabei ließ man die Pop-Art nicht links liegen, denn es wurden auch die bunten, artifiziellen Farben des Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder Peter Max in Azetat nachgebildet.

Ab 1970 bis heute dauert nun bereits die Ära der Designerbrillen an. Dabei trug ich selbst viele dieser Brillen, wobei das schönste Modell von einem französischen Hersteller stammt. Mein Mann schenkte mir diese Sonnenbrille einst zum 10. Hochzeitstag und machte mir damit eine große Freude.

Vorgestellt werden u.a. Pilotbrillen, einige werden sich noch an das Porsche -Design von Christian Dior erinnern und andere Designerbrillen. Nicht immer war das Gleichgewicht zwischen dem Image des Modehauses und den Anforderungen der Augenoptik geglückt. Highlights brachten, wie man liest, Versage und Chanel heraus. Das kann ich so weit bestätigen, meine allerdings, dass die gelungenste Brille (mit grünem Gestell, genannt "Cartier-Cabriolet-Large") in den 1990ern von Cartier stammt.

Heute kaufen stilbewusste Menschen nach Angaben des Autors Moss Lipow (Brillendesigner und -sammler) Second-Hand-Brillengestelle aus den 1950-1980er Jahren. Diese Tatsache beweist mal wieder, dass es sich lohnt auch scheinbar aus der Mode gekommene Accessoires aufzuheben. Letztlich kommt alles wieder.

Ein tolles Buch, das ich gerne empfehle.

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Rezension:Vanity: Fashion / Photography from the F. C. Gundlach Collection (Taschenbuch)

Dies ist der Katalog zu Ausstellung "Vanity"- Modefotografie aus der Sammlung F.C. Gundlach, die vom 21.10.2011- 12.Februar 2012 in der Kunsthalle Wien gezeigt wird.


Der 1926 geborene Franz Gundlach ist Fotograf, Galerist, Sammler sowie Stifter und lebt und arbeitet in Hamburg. Er gründete in den 1960er Jahren die Dienstleistungsunternehmen CC (Creative Color GmbH) und PPS. (Professional Photo Service) und präsentierte in der PPS Galerie mehr als 100 Ausstellungen. Seit Anfang der 1980er Jahre allerdings konzentriert sich sein Augenmerk zunehmend auf das Sammeln fotografischer Werke und die Konzeption international beachteter Fotoausstellungen.

Neben einer Fülle wunderschöner Modefotos in Schwarz-Weiß und in Farbe der Modefotografen Richard Avedon, Lillian Bassman, Cecil Beaton, Sybille Bergmann, Erwin Blumenfeld, Guy Bourdin, Louise Dahl-Wolfe, Hubs Flöter, Ralph Gibson, F.C. Gundlach, Horst P. Horst, George Hoyningen-Huene, George Hurrell, William Klein, Nick Knight, Edgar Leciejewski, Zoe Leonard, Leon Levinstein, Peter Lindberg, Gjon Mili, Sarah Moon, Armin Morbach, Helmut Newton, Irving Penn, Regina Reglang, Imre von Santho, Kristian Schuler, Melvin Sokolsky, Deborah Turbeville, Wols (Alfred Otto Wolfgang) Schulze und Yva (Else Neuländer Simon) hat man Gelgenheit sich in Texte zu vertiefen, die sich mit der Modefotografie intellektuell näher auseinandersetzen.


Modegrafie, so erfährt man gleich zu Beginn des Buches, ist dasjenige Medium, das den Wandel der Mode antizipiert und reflektiert.


Die Ausstellung "Vanity" widmet sich dem Verhältnis von Fotografie und Mode. Dabei besteht nach Meinung von Gerald A. Matt in der Modefotografie eine der größten Fähigkeiten darin, Zeitgeist als kollektive Stimmung zu bewahren, die analog zum vordergründigen Bildinhalt auf komplexere Wunschvorstellungen der Gesellschaft verweist.


Die Ausstellung "Vanity" zeigt eine Auswahl von bedeutenden Aufnahmen ab den späten 1920er Jahren bis heute aus der Sammlung F.C. Gundlach. Sie schafft es, die Modefotografie als ästhetisches Medium losgelöst von seiner ursprünglichen Funktions- und Zweckgebundenheit zu veranschaulichen.


Die Geschichte der Modefotografie ist die Darstellung eines Zeitenverlaufs, der Ausdruck einer Ordnung, die kulturelle Codes schafft und konserviert, konstatiert Gerald A. Matt. Auf der Plattform der heute immer stärker dominierenden filmischen und elektronischen interaktiven Bilder werde das Thema Fotografie und Mode zum Anlass genommen, den Stellenwert des fotografischen Bildes als Objekt der Reflektion, aber auch als Kommunikationsmedium im Kontext von zeitgenössischem Design und Mode zu erörtern.

Das Vorwort, das Interview mit F.C. Gundlach und die drei Essays von Synne Genzmer, Frédéric Monneyron sowie Isabelle Azoulay im vorliegenden Buch sind übrigens in deutscher und in englischer Sprache abgedruckt.


Auf den letzten Seiten werden dann die Künstler textlich vorgestellt und man hat Gelegenheit sich in die Werkliste zu vertiefen.

Monneyron verdeutlicht, weshalb man Modefotografie als eigene Kunstform begreifen muss. Nicht zuletzt kündigt diese die Stimmung einer Zeit an.


Es führt zu weit die einzelnen Essayinhalte an dieser Stelle zu diskutieren. Das gilt im Besonderen für den Essay "Sehnsucht nach Schönheit- Versuch über den mafiösen Charakter von Schönheit" von Isabelle Azoulay. Schönheit verliere an Relevanz, schreibt sie. Von Belang seien heute Einsamkeit, Melancholie, Obsession, beunruhigende Träume. Es sei nunmehr nicht mehr die Schönheit an sich, so die Essayistin, die unsere Aufmerksamkeit mobilisiere, sondern das Subversive der Schönheit. Das Positivistische sei ins Abseits geraten. Die Sehnsucht nach Schönheit, traktiert von der Angst zu altern, lasse Frauen bei Dr. Frankenstein vorstellig werden. Berechtigt fragt Azoulay, welchen Chimären wir eigentlich folgen und berechtigt ruft sie aus: "Was für ein Amoklauf unseres Narzissmus?!."

Die Modefotografie hat sich verändert in all den Jahren. Sie erwartet mehr Kunstverstand von dem Betrachter, weil ihr Schwerpunkt sich eindeutig verschoben hat. Der Zeitgeist wird auf den neuen Modefotos vielfältiger transportiert. Das macht die Fotos noch kunstvoller und noch interessanter.

Empfehlenswert.

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Rezension:New African Fashion (US Version) (Taschenbuch)

Helen Jennings stellt in diesem reich bebilderten, in englischer Sprache verfassten Buch "New African Fashion" vor.


Es werden eine große Anzahl afrikanischer Modedesigner und ihr Können thematisiert, zudem lernt man afrikanische Modelle kennen.


Das Titelbild zeigt eine Kreation von Duro Olowu. Beispiele aus der Kollektion 2011/12 dokumentieren, dass dieser Designer tatsächlich seiner Intention folgt, die da lautet: "My intention was to create a freestyle, chic wardrobe for an indepentent spirit."(Zitat. S. 20).


Man wird mit Damen- und Herrenmode vertraut gemacht. Mich beeindrucken die Stoffe und deren Muster sehr, besonders jene, die Gloria Wavamunno oder Lanre da Lilva Ajayi verwenden: Sehr dezent und überaus edel.


Erwarten Sie in diesem Buch bitte keinen traditionellen Ethno-Look. Das Bild auf dem Cover ist vielleicht etwas irreführend. Hier werden Designer gezeigt, die etwas ganz Neues kreieren. Etwas hat sich hier entwickelt, das jenseits der großen Würfe, die wir von französischen, italienischen, amerikanischen und deutschen Mode-Designern kennen, positioniert ist und das mir zeigt, dass diese afrikanischen Kreativen, die Welt in ihrer Gesamtheit im Kopf haben. Das ist die Mode von global-denkenden Menschen, die sich vom Gestern und Gestrigen vollkommen verabschiedet haben.


Ganz bezaubernd sind die farbigen, wunderschönen Modelle und interessant sind Porträts der Modefotografen. Viel Gefühl, Kreativität und Musik schwingt in allem mit und bringt Neues auf den Weg, das uns alle erfreut.

Wer seine Vorurteile im Hinblick auf afrikanische Mode abbauen möchte, ist gut beraten, sich das Buch zu kaufen. Die gezeigte Mode ist einfach umwerfend schön.
Empfehlenswert.

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Rezension:Hermes Un Jardin Sur Le Toit Eau de Toilette Natural Spray 100 ml (Misc.)

Dieses Eau de Toilette habe ich im Juni zum Geburtstag geschenkt bekommen. Damals konnte man es bei Amazon noch nicht bestellen.

Beim Kauf in Frankfurt war ich dabei. Die charmante Verkaufsberaterin berichtete von einem Dachgarten in Paris im Stammhaus von Hermes. Dort angeblich würden all die Ingredienzien für den Duft wachsen: Kleine grüne Äpfel, Birnen, Magnolien, Rosen, Basilikum und Gras. Jean-Claude Ellena hat diesem Garten ein Denkmal setzen wollen, indem sie dessen Aromen für ihre Kreation als Grundlage für den Duft wählte.

Es gäbe auf dem Dachgarten- ich wollte es nicht glauben- sogar ein Behältnis für Kompost, wo der Rasenschnitt und die verwelkten Basilikum-, Rosen- sowie Magnolienblüten, auch Birnen- und Apfelreste deponiert würden und einen leicht herbstlichen Duft verströmten. Dieser Duft gepaart mit den frischen Blüten- und Fruchtnoten fände sich im neuen Eau wieder und werde die Trägerinnen jung und reif zugleich erscheinen lassen.

Ich ließ den Duft auf meiner Haut wirken, assoziierte ihn spontan mit einem Gedicht von Rilke, das den Titel "Der Apfelgarten" trägt und mit Liebermanns sowie Cezannes Grüntönen, doch sonderbarerweise nicht mit klassischer Musik, nein eher mit Songs von Diana Krall, weil dieser Duft ähnlich swingt, wie die Musik dieser begnadeten Jazz-Pianistin.

Empfehlenswert.

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Rezension: Fashion: Box

Diese Box zeigt anhand von 400 Fotos die großen Klassiker der Mode und die Stars, die diese Mode gewissermaßen unsterblich gemacht haben.

Das Buch nimmt seinen Anfang mit dem so genannten "Kleinen Schwarzen", Stilikone war Audrey Hepburn, Designer: Coco Chanel, Hubert de Givenchy, der Film in dem es Furore machte, war "Frühstück bei Tiffany", Blake Edwards, 1961.

Wie man erfährt, hat die Wandlungsfähigkeit dieses Kleid zu einem universellen Kleidungsstück gemacht, dass sich stets der Person anpasst, die es trägt. Diesbezüglich kann man sich auf Bildern überzeugen oder auch nicht. Namhafte Schauspielerinnen werden im "Kleinen Schwarzen" gezeigt. Carla Bruni sieht in ihrem Kleid sehr attraktiv aus, Monroe wirkt wenig überzeugend, auch Claudia Cardinale sieht in anderen Kleidungsstücken besser aus. Offenbar passt sich das "Kleine Schwarze" doch nicht immer an......

Ähnlich wie beim "Kleinen Schwarzen" verfährt Antonio Mancinelli, von dem die Texte stammen, bei allen anderen thematisierten Kleidungsstücken, sprich der weißen Bluse, den Jeans, dem Kostüm, dem Bikini, dem Rollkragenpullover, den Hotpants, dem Bleistiftrock, dem T-Shirt, dem Trenchcoat, dem Minirock, dem Twinset, dem androgynen Stil, der Korsage, der Caprihose und dem Abendkleid.


Stets erfährt man, in welchen Film das Kleidungsstück Berühmtheit erlangte, wer der Designer und wer die Stilikone war. Im Rahmen kleiner Texte wird man immer über Wissenswertes zu den einzelnen Kleidungsstücken in Kenntnis gesetzt und kann Schauspielerinnen und Bühnenkünstlerinnen unter die Lupe nehmen, die das Gewand der jeweiligen Stilikone tragen. Das finde ich interessant, weil es mir zeigt, dass nicht jedes Kleidungsstück zu jedem passt und dass selbst schöne Frauen an Ausstrahlung verlieren, wenn sie nicht ihrem Typ entsprechend gekleidet sind.


Der Autor konstatiert, dass es kein formelleres Kleidungsstück als eine weiße Bluse gäbe, sie stünde für Freiheit und Reinheit, für die Unabhängigkeit von Modeströmungen und für ästhetische Autonomie, (vgl.:S.43). Da stimme ich zu. Zur entsprechenden Stilikone Katherine Hepburn passte sie, auch zu Ingrid Bergmann. Charlotte Rampling steht die weiße Bluse nicht, sie ist ein Rollkragenpullityp.


Sehr spannend sind die Ausführungen desr Autors ber Jeans, die nach seiner für die Werte Aufrichtigkeit, Authentizität und Körperbewusstsein steht. Als Stilikone wird Marylin Monroe im Film "Misfits" angegeben. Nur bei wenigen Frauen sehen Jeans wirklich sexy aus. Die meisten haben einen zu dicken Hintern und zu dicke Oberschenkel. Das war auch das Problem der Monroe. Perfekt sieht die Jeans an Michelle Rodriguez aus. Bei ihr stimmt auch die Beinlänge.

Es ist unmöglich, im Rahmen einer Rezension alle Kleidungsstücke zu besprechen. Ursula Andress ist die Stilikone für den Bikini. Heute würde man sie vermutlich zwingen ein paar Pfunde vor dem Dreh abzuspecken, was eine Fehler wäre, denn diese Frau sah überirdisch schön aus mit ihren ästhetischen Rundungen. Doch das ist eine persönliche Empfindung meinerseits.

Der Rollkragenpullover zählte in den 60er Jahren zur Ausstattung der Existentialisten. Über diese Zeit berichtet der Autor ganz kurz, nennt als Stilikone Jeanne Moreau im Film "Jules und Jim". Man lernt eine Reihe von Rollkragenschönheiten kennen. Brigitte Bardot stand der Rollkragenpulli sehr. Er machte sie noch erotischer als sie es ohnehin schon war. Auch Marianne Faithfull sah super in diesem Pulli aus. Bei spröden Frauen wirkt der Rollkragen spießig.


Es macht großes Vergnügen, die einzelnen Kleidungsstücke näher kennenzulernen und mehr darüber zu erfahren, so etwa über den Minirock, der Stärke und Verletzlichkeit zugleich suggeriert, aber auch den Wunsch zu gefallen, den Versuch zu verbergen und zu verhüllen, (vgl.: S. 293). Bei vielen Schauspielerinnen vergangener Zeiten waren die Oberschenkel zu dick. Jane Fonda stand der Minirock sehr gut und auch Elisabeth Hurley hat perfekte Beine und Francoise Hardy ohnehin.


Grace Kelly, eine der schönsten Frauen, die ich auf Bildern je gesehen habe, gilt als die Stilikone für das Twinset. Diese Kleidungsstücke werden seit 1918 industriell hergestellt. Im Buch kann man sich kurz mit der Geschichte des Twinsets auseinandersetzen. Ich liebe es in Hellbraun oder Wollweiß auf Röhrenjeans, weil es ihm dann die Strenge und den Anflug von Spießigkeit nimmt. Eine Perlenkette zum Twinset finde ich abtörnend.


Vielleicht noch ein Wort zur Korsage. Madonna ist hier Stilikone. Erotisch sieht sie an ihr nicht aus, weil sie körperlich alles andere als ein Vollweib ist. Sie ist die Parodie davon. Sophia Loren ist gleich auf drei Fotos in diesem Kleidungsstück abgelichtet. Sie sah darin umwerfend gut aus. Auch Brigitte Bardot und Marylin war das Ding auf den Leib geschneidert. Erotik pur.


Das Buch ist ein Schatzkästlein für alle, die Mode und schöne Frauen mögen. Kim Basinger im Trench wirkt dabei allemal anziehender als Madonna in der Korsage.


Ich gebe zu, mein Text ist sexistisch. Da kann man leider nichts machen. Man muss offen mit der Körper-Ästhetik umgehen, wenn man über den Minirock oder über Röhrenjeans schreibt, alles andere wäre Heuchelei. Sophia Loren im Minirock muss man nicht haben, in der Korsage ist sie eine Augenweide. So gleicht sich alles aus.:-))

Empfehlenswert.

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Rezension:Die Wahl des Gewandes: Mode, Macht und Möglichkeitssinn in Gesellschaft und Politik des Mittelalters (Gebundene Ausgabe)

Der Untertitel der vorliegenden Studie macht bereits deutlich, worum es dem Autor Jan Keupp geht. Gezeigt werden neben den sozialen Grenzsetzungen auch die subjektiven Spielräume mittelalterlicher Kleiderwahl. Auf der Plattform zeittypischer Normierungsbemühungen und Machtmechanismen wird das Gewand als Ansatzpunkt konsensualer, wie kontroverser Aushandelsprozesse fokussiert. Die Kleiderwahl des Mittelalters teilt sich als Kampffeld widerstreitender Identifizierungsangebote mit, so der Autor. Dabei wird mittels der Kleidung um Rang, Ansehen und soziale Beheimatung gestritten. An dieser Selbstverortung durch Kleidung hat sich bis heute m.E. im Grunde wenig geändert, auch wenn dies zumeist vehement verneint wird.

Zur Sprache gebracht werden u.a. das Selbst und seine Hüllen und hier die Autorität der Äußerlichkeiten, Kleiderordnungen und Ständedenken. In einer Welt, in der Ehre und Anerkennung die zentralen Wertekategorien darstellten, bedurfte es offenbar einer optischen Lesbarkeit dieser Welt, die die rechte Ordnung des sozialen Miteinanders zum Ausdruck brachte, (vgl.S.44).

Man wird über die Geschichte des Tragbaren informiert. Auszeichnungsstreben des Einzelnen und Nachahmungstrieb der Allgemeinheit führten, wie man am Schnabelschuh sehr deutlich erkennen kann, zur Etablierung und zur Weiterentwicklung neuer Stilformen, (vgl.: S.81).

Der Autor schreibt auch über Elisabeth von Thüringen, die vom franziskanischen Armutsideal inspiriert, sich vom Glanz höfischer Prachtentfaltung bewusst distanzierte, allerdings blieben ihre moralischen Einlassungen durch das Tragen von Demutsgewändern in jener Zeit eher ein Einzelfall.

Man liest von ausgestoßenen Aufsteigern, auch von der Selbststilisierung im Zeichen der Kleidung. Der enge Konnex von Schönheitsideal, Kleiderauswahl und Selbstdisziplin weist auf das offene Potential der einkopierten Handlungsdispositionen hin. Der in Kleiderauswahl, Manieren und Motorik deutlich gemachte Habitus als "Erzeugungs- und Strukturierungsprinzip von Praxisformen und Repräsentationen" eröffnete eine aussichtsreiche Chance der Selbstverortung im sozialen Raum, (vgl. S.137).

Im Teil II der Studie geht es um Politik in Zeichen der Kleidung, thematisiert wird u.a. das Ritual der Investitur, das die Gegenwart in den breiten Strom von Vergangenheit und Zukunft einband, indem sie einen Amtsträger mit der Aura gesteigerter Autorität umgab, ihn aber zeitgleich auf den Modus künftigen Verhaltens verpflichteten, der mithin in der Vorstellung einer gottgewollten Ordnung des irdischen Daseins sein festes Fundament besaß, (vgl.S.163).

Aufgeklärt wird man des Weiteren über das Privileg gleicher Kleider und über die integrative Funktion von Kleidung, über die Entkleidung des Herrschers u.a.m. Es führt zu weit im Rahmen dieser Rezension auf all diese Facetten näher einzugehen oder gar die das breite Feld der Spielarten der Auszeichnungen hier unter die Lupe zu nehmen. Hinweisen möchte ich darauf aber schon.

Zusammenfassend ist festzuhalten, während im Mittelalter die Kleiderwahl aufgrund von hierarchische Differenzierung, religiöser Daseinsordnung und kollektiver Ehre von Bedeutung waren, geht es heute um die Betonung der Marktmacht der Modelabels, um Freiheitsdiskurs und soziale Pluralisierung, aber es geht m.E. nach wie vor auch um eine soziale Dimension. Wer dies leugnet, lebt in einer anderen Matrix, zumindest nicht auf dieser Welt.

Lesenswert.

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