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Rezension:Hermes Un Jardin En Mediterranee Eau de Toilette Spray

Es gibt einen Ort in der Provence mit dem Namen "Les Baux". Dieser alte Ort war im Mittelalter einer der bekanntesten "Cours d`Amour". Les Baux wirkt heute ein wenig surreal aufgrund seiner romantischen Ruinen, die, so glaubt man fast, aus einem Felsen zu wachsen scheinen. Der Mistralwind peitscht dort nicht selten über die Olivenbäume, während der Himmel sein schönstes Blau zeigt.

Wenn man mit Blick auf das Tal die Luft einatmet, meint man den Duft von frischen Mastixsträuchern, von Feigenbäumen, von weißem Oleander, von Meereslilien, von Orangenbäumen, von Bergamotte, roter Zeder und die Frische des Meeres in der Nase zu haben, obschon dieses noch gut 100 km weit entfernt ist.
Die Landschaft unterhalb Les Baux ist ein mediterraner Garten und deshalb wohl spiegelt sich sein Duft in dem feinen Eau de Toilette von Hermes "Un Jardin En Mediterranee", ein Duft, den schon vor Jahrhunderten die Troubadoure betört einatmeten, während sie ihre Liebeslieder hingebungsvoll sangen.

Ideal  für den Sommer.
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Rezension: Ermenegildo Zegna Z Zegna - Eau de Toilette Vaporisateur 50 ml

Stellen Sie sich einen interessant aussehenden Mann in mittleren Jahren vor, seine Haare sind schon ergraut. Er trägt einen gepflegten Dreitagesbart und gräbt mit nacktem Oberkörper energisch ein Stück Land um, weil er dort einige Obstbäume zu pflanzen gedenkt. Seine sonnengebräunten Oberarme sind durchtrainiert und wohlgeformt. Er arbeitet in seiner Freizeit immer draußen und liebt es mit der Natur im Einklang zu sein. Er zählt zu den Männern, den die Frauen lieben, weil er Eigenschaften besitzt, die für sie attraktiv sind: Humor, Wahrhaftigkeit, Zielstrebigkeit und Mut.

Dieser Mann ist kein Bauer, sondern ein Manager, der den Duft der Erde und der Pflanzen ebenso liebt, wie ein gutes Eau de Toilette, ohne das er nie das Haus verlässt, wenn er seinen Geschäften nachgeht. Er schätzt "Ermenegildo Zegna Z Zegna - Eau de Toilette Vaporisateur 50 ml", ein Eau, das im Auftakt durch seine Coolness, Lebendigkeit und Spritzigkeit besticht und so ungeheuer männlich duftet. Er möchte von einem Duft umhüllt sein, der seinem Wesen entspricht. Dieser Duft tut es.

Sizilianische Bergamotte vermählt sich hier mit Rosmarin und mystischer Kasowarifrucht. Die Herznote wird von pudrigem Iris, Muskatnuss und weißem Pfeffer dominiert und in der Basis trifft die Süße von Kaschmir auf die herbe Note von Patchouli und das erdige Eichmoos (siehe auch „Das große Buch vom Parfum“).

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Rezension:Mode: 150 Jahre Couturies, Designer, Marken (Gebundene Ausgabe)

Charlotte Seelig stellt in diesem Prachtband 150 Jahre Mode vor. Zur Sprache gebracht werden Couturiers, Designer und Marken. Eine Fülle von Fotos macht das Buch zu einem Augenschmaus, zumindest für all jene, die Mode etwas abgewinnen können.
Untergliedert ist das Werk in die Kapitel:

Wie die Mode in Mode kam

Der entfesselte Körper

Verrücktheit versus Vernunft

Die ausstaffierte Frau

Jugendkult und Haute Couture

Sex, Drugs& Rock "N" Roll

Der neue Glamour

Dress for Success

Dress to Kill

Die Modernisten

Mode für die Massen

Mode für Morgen



 Mode:Stella Mc Cartney
Foto: Laif, Köln Eco Clement
 Begründer der französischen Haute Couture war der Engländer Charles Frederick Worth, der im Jahre 1858 mit seinem schwedischen Partner Boberg eine Couture-Haus in der Rue de la Paix gründete. Er war es, der damit begann, Kleidungsstücke wie Kunstwerke zu signieren. Boberg erfand ein kleines Stoffetikett, das mit seiner Unterschrift bestickt war und das in jedes seiner Modell eingenäht wurde. Auf diese Weise wurde das Markenzeichen geboren. Seine Modelinie selbst soll weniger revolutionär als sein Marketing gewesen sein, (vgl.: S.14).


Schauspielerinnen und Tänzerinnen hatten zu Beginn des letzten Jahrhunderts großen Einfluss auf die Mode. Sarah Bernhardt war damals die einzige Frau, die auch in Hosen Furore machte. Dies kann man auf einem Foto sehr schön nachvollziehen. Man liest von den Reformkleidern, durch die sich Feministinnen aus dem Korsett lösten und vom ersten Designer, dem Franzosen Paul Poiret, der als erster Couturier eine eigenen Parfums entwickelte und 1911 den Hosenrock kreierte.

In der Folge lernt man die "Delphos-Robe" und dessen Schöpfer Mariano Fortuny kennen, der übrigens ein Maler und kein Couturier war. Prägend für die Anfänge der Haute Couture waren neben Worth, Jacques Coucet und Jeanne Paquin die Wienerin Emilie Flöge, die gemeinsam mit ihrem Freund Gustav Klimt das "Wiener Künstlerkleid" entwarf.

Die Freude an sportlicher Betätigung, Tennis, Tanz Skilaufen etc. befreite die Frauen schließlich vom Korsett. Gabrielle Chanel stellte 1913 die erste Sportmode in Jersey vor. Während des Krieges schlossen viele Couture-Häuser und in den "Goldenen Zwanzigern" dann folgten kurze Röcke. Man liest vom "Flapper-Girl" und dem Jugendkult in jenen Jahren. Das Hemdblusenkleid zählte nun zur sportlichen Garderobe. Es betont im Gegensatz zum Flapper-Kleid die Taille. Porträtiert wird u.a. die Visionärin Madeleine Vionnet. Ihre Kleider sollten der weiblichen Figur und deren Rundungen folgen. Dies war damals ein wirklich revolutionärer Gedanke.

Porträtiert wird auch die Modedesignerin Coco Chanel, deren Vorliebe für alles Männliche ihr Leben und ihre Mode bestimmten. Prägend für Mode in den 20er Jahren waren Jean Patou, Edward Molyneux, Lucien Lelong und Jeanne Lanvin. Nach dem Börsenkrach von 1929 kam es in der Modeindustrie in Frankreich zu 10 000 Arbeitslosen und als sich die Menschen von der Krise erholten wurden die Röcke wieder länger, die Mode wurde wieder weiblicher. Sogar Chanel, die Erfinderin der modernen Schlichtheit, entwarf nun Abendkleider. Dies alles wird ausführlich und sehr anschaulich im Buch geschildert.


Mode: Jil Sander
Foto: Jil Sander, Presse, Hamburg
 Anhand von sehr aufschlussreichen Texten, die man unmöglich an dieser Stelle verkürzt wiedergeben kann und aufgrund der vielen Fotos erhält man einen Eindruck von dem Schaffen vieler namhafter Designer. Unter ihnen Elsa Schiaparelli, Christian Dior, Yves Saint Laurent, André Courrèges, Vivienne Westwood, Gianni Versace, Giorgio Armani, Ralph Lauren, Karl Lagerfeld, Jil Sander, Wolfgang Joop und viele andere mehr.


Immer werden diejenigen genannt, die eine Mode-Epoche prägten und darauf aufmerksam gemacht, wo die Schwerpunkte in der Mode jeweils zu suchen sind. Die Mode im Laufe der letzten 150 Jahre zeigt wie die Frauen sich allmählich veränderten. In den "Swinging Sixties" begann ihre finanzielle Unabhängigkeit und auch ihre sexuelle Befreiung, die sich nicht zuletzt durch eine veränderte Mode offenbarte.


Es macht Freude sich an die schönen Abendanzüge für Frauen aus den 1990er Jahren zu erinnern, aber auch an die Minikleider der späten 1960er Jahre. Namen wie Pierre Cardin, Mary Quant und Paco Rabanne werden thematisiert und viele andere, die heute schon fast vergessen sind.


Begeistert bin ich von der Mode John Gallianos, die von sehr viel Fantasie zeugt, aber letztlich schwer tragbar ist.

Meine persönlichen Favoriten sind Giorgio Armani, dessen Kleidung ich seit vielen Jahren sehr schätze, weil sie zurückhaltend und dabei qualitativ überaus hochwertig ist. Armani und seine Arbeiten werden sehr gut im Buch porträtiert. Das gilt auch für Ralph Lauren, dessen Mode ich seit vielen Jahren in erster Linie trage, weil sie meinen Vorstellungen am meisten entgegen kommt.

Mode: Bernhard Wilhelm
Foto: Getty Image, München


Die Erfolgsstory von Jil Sander hat man Gelegenheit nachzulesen. Ich mochte ihre Mode schon in den 1980ern und schwor lange auf sie bis ich Armani entdeckte, dessen Abendanzüge für Frauen nicht ganz so puristisch sind. Ein im vorliegenden Buch gezeigtes Hemdblusenkleid finde ich traumhaft schön in seiner Schlichtheit.

Wolfgang Joops Modezeichnungen sind wirkliche Kunstwerke. Schön, dass man sich im Buch ihrer erfreuen darf. Lässig und innovativ sind die Kreationen von Stella Mc Cartney, die eine Vorreiterin des Öko-Ethik-Trends ist, wie man erfährt.

Ein schönes Buch, dass modeinteressierte Menschen sofort begeistern wird und verdeutlicht, wie schön es ist eine Frau zu sein.:-))

Empfehlenswert.


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Rezension: Guerlain Aqua Allegoria Herba Fresca Eau de Toilette (125 ml) (Unisex-Duft)

Dieses Sommeraqua von Guerlain ist aromatisch und enthält grüne Duftnoten , konkret:

Kopfnote: Rote Beeren, Lemon

Herznote: Grüner Tee, Minze

Basisnote: Alpenveilchen, Maiglöckchen

Die Aromen sind sehr dezent und erinnern an einen oberitalienischen Paradiesgarten. Durch die Minze, die Lemonen und den grünen Tee erhält das Aqua eine angenehm frische und dabei kräutrige Komponente. Der zarte Maiglöckchenduft appelliert an eine  Form der Sinnlichkeit,  wie sie künstlerisch veranlagte, kreative Menschen  nicht selten besitzen.

Dieses Eau kann von Frauen und Männern gleichermaßen verwendet werden. Wer gerne einen unaufdringlichen feinen Duft verströmt, die Natur liebt und von ihr umhüllt sein möchte, ist mit  "Guerlain Aqua Allegoria Herba Fresca" bestens beraten. Ein ätherischer, leichter Duft, den ich mit einem vergnügten Tanz am frühen Morgen auf einer Sommerwiese assoziere.

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Rezension:Der Gentleman: Handbuch der klassischen Herrenmode (Gebundene Ausgabe)

Der Autor dieses Buches Bernhard Roetzel ist Journalist und anerkannter Modeexperte und gilt als Kenner des klassischen Gentleman-Stils.

Sein Handbuch der klassischen Herrenmode mit zahlreichen Bildern, die der Fotograf Günter Beer realisiert hat, thematisiert: den Bart, das Haar, die Unterwäsche, das Hemd, die Krawatte, den Anzug, die Sportjacken und Hosen, den Schuh, Mäntel und Jacken, den Hut, Accessoires, Stricksachen, Kleidung für den Sport, festliche Kleidung und ein gemütliches Outfit für Zuhause für den gepflegten Herrn.
Zunächst erfährt man, was alles ein Mann für die Rasur zu Hause benötigt und kann sich anhand von Bildern kundig machen, wie eine richtige Nassrasur beim Babier von statten geht. Aufgeklärt wird man ausgiebig über Elektrorasierer und lernt einige sehr gute zeitlose Düfte für den Herrn kennen, darunter auch "Aqua die Parma", das ich bereits im Rahmen einer Produktbesprechung empfohlen habe. Alles, was für das Haar gut ist, kommt zur Sprache und man kann anhand von Bildern nachvollziehen, wie man Haar richtig wäscht, erfährt alsdann Essentielles über Unterwäsche für den Herrn und hier auch, dass mittlerweile die meisten Männer den Eingriff in die Unterhose für überflüssig halten.

Über das Männerhemd erfährt man viel Wissenswertes, speziell auch über einzelne Kragenformen. Mir gefällt der Button-down-Kragen italienischer Hemdenmacher mit zwei Schließknöpfen am besten. Doch das ist Geschmackssache. Man liest Näheres über die Stoffe, aus denen die Hemden gemacht sind und kann sich auch im Hinblick auf die besten englischen Hemdenmacher informieren, liest schließlich wie ein Maß-Hemd entsteht und wie Hemden richtig sitzen. Auf Fotos wird gut nachvollziehbar gezeigt, was man bei Hemden alles falsch machen kann. So bedeckt beispielsweise bei richtiger Ärmellänge die Manschette das Handgelenk und stößt gerade an die Daumenwurzel. Sofern der Hemdkragen die richtige Breite hat, wird er im Nacken nicht von der Jacke bedeckt und damit ist noch nicht genug... Ach ja, der Gentleman lernt im Buch auch das Einmaleins der Hemdenpflege und in diesem Zusammenhang Schritt für Schritt ein Hemd zu Bügeln. Sehr schön.

Krawatten werden breitgefächert thematisiert. Man erhält gute Tipps zum Krawattenknoten und lernt einen "Four-in Hand"- und einen "Windsor-Knoten", eine Schleife und einen Krawattenschal zu binden. Anschließend wird der Anzug und dessen Stoffe thematisiert. Man lernt nun den Unterschied zwischen einem englischen und einem italienischen Anzug kennen, erfährt mehr über den Tweedanzug, (der echte Tweedanzug soll schwer, rau und steif sein und sich bestens eignen, um kaltem Wind, Regen und Nebel zu trotzen) aber auch über edlen Zwirn der Italiener von Brioni und Keaton.

Stoffmuster für Sportjacken werden auf Fotos gezeigt. Hier mag ich dunkelgraues "Fischgrat" am liebsten. Hosen zu Sportjacken lernt man kennen. Noch immer schön sind graue Flanellhosen, aber auch feine Cordhosen passen sehr gut zur Sportjacke. Über kurze Hosen und Jeans wird man auch aufgeklärt und auch über Hosenträger, die auf dem europäischen Kontinent primär von anglophilen Dandys getragen werden, (vgl.: S. 142).

Der Blazer und die dazugehörige Hose werden beleuchtet. (Ich finde die goldenen Messingknöpfe abtörnend. Das musste ich jetzt loswerden, sorry.)

Besonders hervorheben möchte ich das Kapitel über Schuhe. Ich teile die Ansicht des Autors, dass ein ansonsten perfektes Erscheinungsbild eines Mannes auf einen Schlag irreparabel zerstört wird, wenn er schlechte Schuhe an den Füßen hat. Man lernt im Buch formelle Schuhe mit geschlossener und mit offener Schnürung kennen, aber auch Loafer und Schuhe mit Schnallen. Dank eines Querschnittbildes weiß ich nun, wo die Brandsohle, wo die Piece-Sohle, die Risslippe und andere Teile des Schuhs lokalisiert sind. Die Werkzeuge eines Schuhmachers werden erklärt, auch wie ein Schuh entsteht lernt man zu begreifen, liest dann über Raulederschuhe, amerikanische Sattelschuhe und auch über Hausschuhe und erfährt, wie man Strümpfe richtig kombiniert. Verdeutlich wird, welche Schuhe zu welchen Anzügen bzw. Hosen passen, bevor man sich mit Mänteln näher auseinandersetzen und wenig später sich in die Geschichte der Wachsjacke vertiefen kann.

Mit großem Interesse habe ich das Kapitel über Hüte gelesen. Nur bei wenigen Männern sieht der "Borsalino" wirklich gut aus. Leider. Männer mit einer Löwenmähne sollten einen "Borsalino" tragen.

Es lohnt, sich ausgiebig mit den Accessoires zu beschäftigen, mit Uhren, Pfeifen, Manschettenknöpfen, Geldbörsen, Koffern, Aktentaschen, Spazierstöcken, Schirmen, Brillen, Taschentüchern, Einstecktüchern (diese lernt man zu falten) Handschuhen und Schals etc. In diesem Kapitel wird klar, dass auch Frauen sich dieses Buch kaufen sollten, zur Inspiration, wenn sie demnächst ihren Liebsten etwas Schönes schenken möchten.

Über Strickklassiker wird man unterrichtet, z.B. Pullover mit Polokragen, ärmelloser Pullover, Rollkragenpullover etc. und erhält eine kleine Schulung dahingehend, wie man Kleidung geschmackvoll kombiniert, bevor man sich mit Spotbekleidung näher befassen kann.

Sehr erhellend ist das Kapitel festliche Kleidung. Hier liest man u.a. Näheres zum Smoking und was dazu gehört. Schlussendlich erfährt man, was ein Gentlemen zu Hause an hat. Hier lernt man schöne Schlafanzüge und Morgenröcke kennen.
Ein sehr schönes Buch, mit vielen guten Anregungen für Männer, die sich gerne gut kleiden, ohne sogleich in Dandy-Allüren zu verfallen.

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Rezension: Das große Buch vom Parfum - Frank J. Schnitzler, Dr. Bodo Kubatz

Dieses hervorragende Nachschlagewerk enthält eine Auswahl von etwa 1000 betörenden Düften für Damen und Herren. Verfasst wurde das Buch von Frank Schnitzler, der als eine Institution in Sachen Düften im gesamten, deutschen Sprachraum gilt und von Dr. Bodo Kubartz. Im Klappentext wird Schnitzler übrigens der "Parfümpapst" bezeichnet. Wie man erfährt hat er mehr als 35 Jahre lang exquistite Parfümerien im Westen Deutschands geführt. Seine Filialen veräußerte er an Douglas und arbeitet seither als Trendscout und Berater für die Kosmetik- und Parfümindustrie. Der studierte Geograph Dr. Bodo Kubartz dozierte an der University of Oklahoma und beschäftigte sich in seinen wirtschaftsgeografischen Arbeiten mit der internationalen Duftstoff- und Parfümindustrie.

Frank Schnitzler berichtet eingangs wie er als Kind schon eine überdurchschnittliche Affinität zu unterschiedlichen Düften hatte. Er versuchte von klein auf, seine Mitmenschen zunächst mit der Nase wahrzunehmen, dann erst mit den Augen und zum Schluss, sich auf die Stimme zu konzentrieren. Sein Beruf beruht auf Berufung. Deshalb auch war und ist er in seinem Metier so erfolgreich.

Dr. Bodo Kubartz hat während seiner Forschungsarbeiten in den USA und Europa zahlreiche Düfte kennengelernt. Er konstatiert, dass es ohne Passion nicht möglich gewesen wäre, das Buch zu schreiben. Während vieler intensiver Gespräche haben die beiden Experten sich über die Selektion der Düfte ausgetauscht.

Flacon de Shalimar
Im Hauptteil des Buches findet man viele Namen, Marken, Parfümeure und natürlich auch Informationen zu den Duftschöpfungen.

Obgleich ich Parfumliebhaberin bin, staune ich wie viele Parfums ich noch nicht kenne und versuche mich in die sehr gut beschriebenen Düfte hineinzuspüren. Die Düfte sind übrigens alphabethisch geordnet. Jedem neuen Buchstaben folgt ein Zitat, bevor mit den Duftbeschreibungen begonnen wird. Die Seiten sind sehr hübsch und betont schlicht illustriert. Im Vordergrund stehen eindeutig die Düfte und deren Entwickler.

Mit großem Vergnügen habe ich mich in die Guerlain- und Hermesdüfte vertieft, die ich besonders zu schätzen weiß und bin erstaunt wie gut diese beschrieben sind. "Mitsouko" von Guerlain gibt es schon seit 1919. Ein fruchtiger Akzent wird durch Pfirsich in diesem würzig-holzigen Parfum gesetzt, in welchem später die Aromen des Waldes überwiegen. Man erfährt, dass Jacques Guerlain dieses große chyprig-fruchtige Parfum einer unglücklichen Liebe zwischen einem britischen Offizier und der Japanerin Mitsouko widmete, (vgl.: S.178).

Ganz hervorragend ist Jean Patous "Joy" beschrieben, das 1929 von Henri Alméras kreiert wurde. Dieser Duft basiert auf kostbarsten Grundsubstanzen: Bulgarische Rose, Mairose und Jasmin aus Grasse. In einem 30- Milliliter-Flakon steckt der Duft von 10 600 Jasmiblüten und 336 Mairosen. Der Flakon ist ein Meisterwerk des Designers und Innenarchitekten Louis Süe, (vgl.: S.291).

Mein Lieblingsherrenduft- "Acqua di Parma" - ist perfekt beschrieben "..... Zitrusfrüchte, Lavendel, Rosmarin, Verbene und Bulgarische Rose sind einige Ingredienzien des natürlichen, frischen Duftwassers."(Zitat: S.15)

Auf Seite 303 habe ich einen Duft entdeckt, den ich noch nicht kenne, in welchen ich mich aber von der Beschreibung her verlieben könnte. "Profumi die Pantelleria, Aire". Dieser Duft soll die Lebensfreude ausstrahlen, die auf der Insel Pantelleria greifbar ist. Die aufputschende Wirkung von Zitrus, Kiwi und weißem Tee soll anregendend sein, während Iris und Jasmin verzaubern. Weißer Pfeffer sorgt für einen überraschenden Moment. Das Parfumhaus produziert nur in kleiner Stückzahl. Das finde ich besonders interessant und verlockend. Ich spüre, wie sich die Nuancen in meiner Nase vereinen. Betörend. Gedanklich bin ich meinem alten Parfum bereits untreu geworden. Ich gebe es zu.

Nachdem man sich über 1000 Düfte informiert hat, darf man einen Blick hinter die Kulissen des Parfumindustrie werfen und erfährt, dass circa alle 10-15 Jahre sich die Geschmäcker des Parfummarktes wandeln. Weil man die Wahrscheinlichkeit von allergischen Reaktionen minimieren möchte, werden sukzessive potentielle Allergene vom Markt genommen. So darf seit Anfang 2010 Eichenmoos nur noch in geringer Konzentration verwendet werden. Parfums, so die Autoren, sind Spiegelbilder der Gesellschaft. Bemerkenswert ist, dass die Anzahl der Nutzer der Parfums in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist. In unserer pluralistischen Gesellschaft gibt es offenbar keinen einheitlichen Stil mehr, stattdessen dominiert das "Sowohl-als-auch." (vgl.: S. 368).

Man erfährt in der Folge wie ein Duft entsteht, liest über Herz-, Kopf- und Basisnoten und weiß schließlich, dass die Kopfnote jene ist, die man direkt und in der ersten halben Stunde riecht, die nächsten paar Stunden werden von der Herznote dominiert, bevor sich die Basisnote bis zum Vergehen des Duftes durchsetzt, (vgl.: S.370).

Thematisiert werden die Begriffe natürliche und synthetische Düfte. Man liest u.a., dass es dem Parfümeur frei steht, gewisse Nuancen durch die Wahl der Inhaltsstoffe zu betonen, dass allerdings die qualitatitve Unterscheidung zwischen angeblich gesunden Naturdüften einerseits und angeblich minderwertigen "Chemiedüften" ungerechtfertigt sei, (vg.: S. 371).

Zur Sprache kommen fast ganz zum Schluss die so genannten "Unisexdüfte". In den 1990er Jahren stieg der Umsatz dieser Düfte an, doch heute wird wieder klarer deklariert, für welches Geschlecht der Duft kreiert wurde, gleichwohl sparen auch immer mehr Parfummanufakturen eine "festgezurrte" Definition aus, weil sie die explizite Entsscheidung umgehen möchten, ob es sich bei ihrem Produkt um ein Damen-, Herren- oder Unisexduft handelt, (vgl:: S. 373).

Schließlich werden auch über die Flakons ein paar Worte verloren. Hier fallen Namen wie René Lalique und Peter Schmidt, über dessen Vita und Schaffen ich kürzlich im Rahmen einer Rezension schrieb.

Im sechsseitigen kleinen Wörterbuch der Parfümsprache zum Schluss wird man sehr gut über Begriffe, wie etwa: "Aldehydig", "Chypre", "Petigrain" oder auch "Tuberrose" aufgeklärt.

Ein hochinformatives Buch, das Begehrlichkeiten weckt, ...bei mir derzeit nach "Profumi die Pantelleria", Aire. :-)))......

Empfehlenswert.


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Rezension:Le carré Hermès. Die illustrierte Geschichte des Hermès-Halstuchs (Gebundene Ausgabe)

Diesen traumhafte Bildband hat Nadine Coleno auf den Weg gebracht. Sie ist die Herausgeberin der Reihe "Vivre l`art et l`atelier" in Paris.

Der Einleitung von Pierre-Alexis Dumas (er verstarb am 1.5.2010) kann man entnehmen, dass das "Carré Hermés" einst ein Geistesblitz war. Der Schöpfer des reinen Seidentuchs, der Großvater von Pierre -Alexis, Robert Dumas, trat hinter die Idee des Carrés zurück. Robert und dessen Sohn Jean Louis waren unermüdlich auf der Suche nach Motiven, Kompositionen und Farben, begleitet von Designern. Diese wurde ergänzt durch Graveure, Koloristen und Stoffdrucker.

Das Buch enthält eine Fülle von Abbildungen unterschiedlicher Motive des "Carré Hermés" und folgende Textbeiträge:

-Die Saga des Carrés
-Das Carré- Universum der Formen
-Das Carré- Philosophie der Farbe
Hinzu kommen alle Bildunterschriften, die Fussnoten, die Bibliographie und der Dank zu Schluss.
Jedes der Motive erzählt eine Geschichte. Die qualitativ hochwertige Seide eines jeden Carrés lebt, egal ob man sie knotet, spannt, dreht, faltet, plissiert, rollt oder zusammendrückt. Auch die Farben der Tücher leben.

"Ex-Libris" ist seit 1946, umgeben von einer Postkutsche und einer Kalesche, der Inbegriff eines einfachen und klaren Designs. 2008 folgte eine Kopie mit leicht gepixelten Konturen. Es handelt sich hierbei um das Mosaik, welches auf dem Boden im Faubourg-Saint-Honoré 24 das Motiv darstellt. "Mosaique au 24" ist in meinen Augen das schönste Motiv, das ich auf den Seidentüchern von Hermès bislang gesehen habe.
Das Haus Hermès war übrigens einst ein Sattler und Geschirrhersteller. Insofern wundert es sicher nicht, dass das weltweit am meisten verkaufte Tuch das legendäre "Brides de gala" ist. Man erfährt, dass in der westlichen Welt der Gebrauch quadratischer Tücher von der Antike bis ins 19. Jahrhundert entsprechend seiner Bestimmung zwischen männlicher und weiblicher Verwendung wechselte. Bei den alten Griechen trockneten sich die Männer damit das Gesicht ab. Die Frauen im 16. Jahrhundert nahmen es als Liebespfand entgegen und so wechselte es immer wieder. Interessant ist, was Diderot in seiner großen "Enzyclopedie" darüber schreibt, aber auch, wozu die Soldaten im 19. Jahrhundert das Halstuch nutzten.

Man liest in der Folge von zahlreichen Motiven der insgesamt 2000 Carrés der Pariser Traditionsfirma Hermés und hat Gelegenheit sich in eine Vielzahl dieser Motive zu versenken. Je mehr man sich mit den Texten befasst, um so klarer wird, dass die Motive auch unter künstlerischen Aspekten bemerkenswert sind, (siehe Seite 60ff). Thematisiert werden Kreis und Carré, Zufälligkeiten und Linien, dynamische Diagonale, Formen und Motive traditioneller Bekleidung, Porträts und Perspektiven. Auch wird man sehr gut mit der Philosophie der Farben vertraut gemacht.

Ich staune, was auf den Motiven alles zu sehen ist. Sehr schön ist ein Carré, das ein Fülle unterschiedlicher Federn zeigt. Mir gefällt auch ein Motiv mit herbstlichen Blättern auf dunkelbraunem Hintergrund und ein Carré mit dem Titel "LES OISEAUX DES CHAMPS ET DES BOIS." Die bunten Singvögel sind allerliebst. Die traditionellen Carrés, mit Pferdemotiven sind natürlich auch sehr schön, treffen allerdings nicht meinen Geschmack. Mich begeistert "Les jardins d`Andalousie" der wundervollen Motivgestaltung wegen.
Zauberhaft sieht ein Carré aus, das alte, sehr schöne Flacons zeigt und sehr dezent sind die indischen Motive von Michel Duchéne aus dem Jahre 1986.

Hätte ich die Wahl zwischen all den gezeigten Carrés, würde ich allerdings zu "Mosaique au 24" tendieren. Es ist einfach atemberaubend schön in seiner Schlichtheit.

Ein exzellentes Buch über ein edles Modeaccessoire aus Frankreich.
Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.

copyright Fotos: "Collection Rolf Heyne"



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Rezension: Seide und Geschmeide- 100 Jahre Schmuck und Mode. Eine Stilgeschichte

Autorin dieses Buches ist Carol Woolton, die Schmuckredakteurin der britischen Vogue, die als eine international führende Schmuckexpertin gilt.

Symbolisierten Juwelen ursprünglich eher Reichtum als Stil, gingen in den letzten 100 Jahren Mode und Schmuck eine zunehmend engere Verbindung ein. In Zeiten der "Belle Époche" tauchten erstmals deutliche Gemeinsamkeiten in der Kollektion von Couturiers und Juwelieren auf. Damals wurden Korsettkleider aus Chiffon und Crepe de Chine in Gold und in Silber mit Rosen und Lilien bestickt. Diese auch prägten thematisch den Girlandenstil des Schmucks um die Jahrhundertwende.


Als eine der ersten Couturiers wandte sich Coco Chanel dem Schmuckdesign zu. Sie schuf gemeinsam mit dem sizilianischen Fürsten Fulco di Verdura den juwelenbesetzten Armreif mit Malteser-Kreuz, das vor geraumer Zeit eine Renaissance erfuhr. Mittlerweile kommen übrigens Mode und Schmuck gewissermaßen aus einer Hand.


Im Rahmen vieler Fotos werden im Buch Schmuckstücke vorgestellt, die in den letzten 100 Jahren kreiert worden sind. Es wird das Zusammenspiel zwischen bestimmten Kleidungsstücken und Schmuck, beispielsweise zwischen Twinset und Perlen und das Zusammenspiel moderner Ikonen wie Lady Di, Lady Gaga etc. und der Mode-und Schmuckwelt aufgezeigt.


Themen sind u.a. "Art nouveau", das im deutschsprachigen Raum als Jugendstil bekannt ist. Dieser Stil war mehr eine Denkweise, denn ein Stil und zwar eine solche, die mit klassischen Stilen brach und selbst aus reinen Gebrauchsgegenständen Kunstwerke machte. Im Schmuckbereich war "Art nouveau" für in Läden und Büros zunehmend tätige Frauen, denen Juwelen bis dahin als elitär gegolten hatten, der passende Stil, (vgl.: S.13). Man liest von René Lalique (1869-1945) dessen Art-nouveau-Ästhetik die französische Schmuckindustrie von einem Gewerbe in eine Kunst umwandelte und hat Gelegenheit, einige seiner Arbeiten zu bewundern, (siehe Seite 13-15).


Gabrielle Chanel (1883-1971) soll im schwarzen Pullover mit 10 Perlensträngen um den Hals die Mode revolutioniert haben. Sie war es, die als erste dafür eintrat, echten mit falschem Schmuck zu mischen. Fotografisch vorgestellt wird u.a. ein Halsband von Chanel aus dem Jahre 1932. Die Tatsache, dass sie ihre teuren orientalischen Perlen inmitten einer Reihe von Fälschungen trug, zeigt mir, dass Coco Schmuck als das Begriffen hat, was er ist und nicht als Wertanlage.


Man liest von der Blumenmode, hier auch von Schmuckblumen sowie von Jean Schlumberger (1907-1987), der bei Tiffany u. Co. der erstmals genannte Schmuckdesigner war und lernt eine Fülle von Arbeiten mit Blumenmotiven unterschiedlicher Designer kennen, darunter eine sehr hübsche emaillierte Orchideenbrosche mit Diamanten von Tiffany u. Co.


Es ist unmöglich all die Schmuckstücke im Buch im Rahmen der Rezension zu thematisieren. Mir gefallen die Arbeiten des britischen Designers Theo Fennell (geb.1951), der aus kühnen Farbblöcken extravaganten Schmuck kreierte. Sein Juweliersalon wurde zu einem Leuchtfeuer für innovatives Design in sprühenden Farben, wie Abbildungen sehr schön zum Ausdruck bringen, (vgl.: S.80).


Nicht uninteressant auch ist der "Maharani-Stil", der erstmals in den 1930er Jahren auftauchte und der wohl von den Reichen und Schönen in den 60er Jahren gerne getragen wurde. Orange Feueropale, lavendelfarbene Cordierite, gelbe Zitrine, Peridots und rosa Turmaline entzücken gewiss nicht nur Inderinnen als schmückendes Beiwerk zu einem dünnen Sommergewand.


Man liest von einem altrosa Stein mit dem Namen Kunzit, der seinen Namen dem Juwelenkönig und berühmtesten Gemmologen der Welt, Georg Frederick Kunz verdankt, der von 1880 bis 1927 im Dienst von Tiffany u. Co stand. Die Kollektion "Cherry Blosson" von Shaun Leane ist mit ihren blassrosafarbenen Emailblüten und zierlichen rosa Perlen auf feinen Zweigen aus Gold und oxidiertem Silber, die einen Finger und die Ohrläppchen zieren, als Beiwerk zu schlichten Sommerkleidern geeignet.


Über Taschenuhren wird man aufgeklärt und erfährt, das diese im 16. Jahrhundert entwickelt wurde, sowie im späten 19. Jahrhundert zur Standardausrüstung der Eisenbahner zählten. Die extraflache Taschenuhr von Cartier aus dem Jahre 1905 würde ich als Geschenk nicht ablehnen.


Sobald Juweliere Spitzen-, Häkel- und Strickgewebe in sanft gewebten, metallischen Kettenstoff oder Stücke aus goldenen Spinnenfäden uminterpretieren, verschwimmen die Grenzen zwischen Stoff und Schmuck, wie ein Foto zeigt.

Begeistert bin ich, dass man auch einige wundervollen Schmuckstücke aus dem Hause Hemmerle abgelichtet hat, zu denen ich vor einiger Zeit bereits eine Rezension schrieb. Dieses Haus fertigt faszinierende Schmuckstücke aus Messing, Kupfer, Eisen und rostfreiem Stahl an und lässt ein Nebeneinander eines gewöhnlichen Metalls und eines spektakuären, tiefblauen Aquamarins oder auch eines orangefarbenen Diamanten zu. Von all den vielen Schmuckstücken im Buch gefallen mir die Arbeiten Hemmerles derzeit am besten, weil sie an Ästhetik nicht zu überbieten sind. Die abgebildeteten Armreife passen gut zu Kleidung im Stil von Armani oder Jil Sander und lassen weiteren Schmuck im Grunde nicht zu. Nichts für verspielte Frauen.


Ein großartiges Buch.
Bilder: Mit freundlicher Genehmigung des Prestel Verlages

Rezension: Men in Style- Die Fashion-Ikonen eines Jahrhunderts- Simone Werle

Dieses Buch der freien Journalistin Simone Werle habe ich mit allergrößtem Vergnügen gelesen und viel Freude beim Anblick der schönen, geschmackvoll angezogenen Männer, die im Buch abgelichtet sind, gehabt.

Die Autorin untergliedert die Fashion-Ikonen eines Jahrhunderts in :

Die Gentlemen
Die Einzelgänger
Die Dandys
Die Rockstars
Die Geradlinigen
Die Modemacher
Die Schönen
Die Boygroups
Die Außerirdischen

50 namhafte Männer werden vorgestellt und den oben stehenden Kategorien zugeordnet. Alle Herren werden, wie der Klappentext bereits verspricht, in prägnanten Texten porträtiert. Es werden ihre modischen Finessen ausgelotet und man kann sich im Rahmen vieler Fotos von der Stilsicherheit der einzelnen Herren überzeugen. Auf den letzten Seiten schließlich hat man Gelegenheit, gut gelungene Kurzbiografien über die fokussierten Männer zu lesen.

Es handelt sich um: Edward Herzog von Windsor, Fred Astaire, Frank Sinatra, John F. Kennedy, Ralph Lauren, James Bond, George Cloony (die Gentlemen), Marlon Brando, Che Guevara, Steve Mc Queen, James Dean, Johnny Cash, Kurt Cobain (die Einzelgänger), Oscar Wilde, Gianni Agnelli, Truman Capote, Tom Wolfe, Bryan Ferry, André Leon Talley, Falco, André Benjamin, Lapo Elkann (die Dandys), Jimi Hendrix, Mick Jagger, Freddie Mercury, Jarvis Cocker (Rockstars), Marcello Mastroianni, Giorgio Armani , Helmut Lang, Hedi Slimane (Die Gradlinigen), Karl Lagerfeld, Yves Saint Laurent,Gianni Versace, Jean Paul Gaultier, Martin Margiela, John Galliano (Die Modemacher), Die Carabinieri, Cary Grant, Porfirio Rubirosa, Tom Ford, Johnny Depp, David Beckham (Die Schönen), Die Beatles, The Sex Pistols, Run -D.M.C (Die Boygroups), Elvis Presley, Ziggy Stardust, Bootsy Collins, Michael Jackson, Boy George (Die Außerirdischen).

Edward Herzog von Windsor soll auf dem Höhepunkt seines Bekanntheitsgrades der am meisten fotografierte Mann der Welt gewesen sein. Alles was der 1894 geborene Brite trug, wurde populär, wurde sogleich kopiert und nach ihm benannt. So sollen "Fair Isle-Pullover" eine bis dahin nie gekannte Nachfrage erzielt haben und Kleidungsstücke aus gewebten Karostoffen wurden selbst in der Stadt zum Muss, (vgl.: S.14). Die Bilder dokumentieren, dass er ein perfekt gekleideter Mann von großer, feinsinniger Austrahlung war, der nicht nur im Smoking mit klassischem weißen Einstecktuch und Nelke die Aura eines perfekten Gentlemans besaß.

Zu Recht wird der Modemacher Ralph Lauren auch als Gentleman bezeichnet. Das zeigt seine Vita, aber auch sein geschmackvolles Outfit, das sich aus einer Mischung aus dandyhaftem Ivy-League-Chic, gepaart mit amerikanischen Mythen und englischem Astro-Stil zusammensetzt. Lauren, den man u.a. auf einem Bild im schwarzen Sakko, mit einer geschnürten schwarzen Lederhose und Cowboystiefeln sieht, ist der noble Großmeister der amerikanischen Lässigkeit, trendresistent, gepaart mit einer ordentlichen Portion europäischer Eleganz, (vgl.: S. 28).

Hinreißend sieht der junge Marlon Brando m.E. auf dem Bild aus dem Jahre 1955 aus, das ich mir erlaubt habe, in die Rezension einzubetten. Das schlichte Baumwollshirt lässt die Aufnahme zeitlos erscheinen. Man liest, und das sehe ich auch so, dass Brando um so schöner aussah, je einfacher er sich kleidete. Er hatte die Erotik eines Antihelden, dem unangepasste Frauen die Tür auch bei Nacht gewiss nicht gewiesen haben.

Steve McQueen gehörte zu den Männern, die alles tragen können und dabei immer gut aussehen. Sein Stilvermächtnis erklärt die Autorin wie folgt: Klassiker, wie Aviator-Sonnenbrillen, schwarze Rollkragenpullover, schmal geschnittene Anzüge, Khaki-Hosen, Windbreaker, Strickjacken mit Schalkragen, baumwollene T-Shirts, Karohemden, Lederjacken, Jeans und Stiefel. Steve Mc Queen ist neben Sean Connery der männlichste Mann im Buch. Beide unterstreichen diese Tatsache durch lässige Kleidung fast beiläufig.

Schade, dass ich von Oscar Wilde nicht das Foto von S. 59 bekommen konnte, denn hier sieht der Dandy einfach zum Niederknien schön aus. Das Foto wurde 1882 aufgenommen. Er trägt eine Samtjacke und Kniebundhosen. Seine Lackschuhe sind mit Schleifen verziert, die Haare sind halblang und sein Anlitz ist so anziehend, dass man sich sofort in ihn verliebt. Der Dichter galt als Paradiesvogel in den Londoner Salons. Er fiel dort aber nicht nur durch seine Kleidung, sondern in erster Linie durch seinen Wortwitz auf.

Es ist unmöglich, all die Männer im Buch hier zu skizzieren. Die Porträts sind stets sehr gut gelungen. Werle schreibt im Hinblick auf Mick Jagger, von dem man ein Bild aus dem Jahre 1973 und ein weiteres aus dem Jahre 2006 bewundern kann, dass er repräsentierte, wofür bislang noch kein anderer stand: Verausgabung, Grenzüberschreitung und vor allem unverholen ausgelebten Sex (vgl.: S. 84).
Jagger wirkt androgyn, nicht nur wegen des Eyeliners, den er trägt, und unterstreicht dies noch heute durch entsprechende Kleidung.

Das textliche Porträt Lagerfelds gefällt mir und auch die beigefügten Bilder. Er trägt Dior-Anzüge seines jungen Design- Kollegen Hedi Slimane und lebt, um in diese zu passen, betont diszipliniert.

In meinen Augen ist der am besten angezogene Mann im Buch Cary Grant. Vier Fotos von ihm machen das deutlich. Er bewies in seiner Kleidung immer Mut zur Einfachheit. Von seinem schönen Gesicht sollte nichts ablenken. Er und Oscar Wilde sind meine Favoriten im Buch. Diese beiden Männer vermochten sich am besten zu kleiden, auch wenn beide nicht vordergründig sexy waren, waren sie doch hocherotisch, wie nur wenige andere Männer in ihrer Zeit.

Sexy und erotisch zugleich ist eine Stil-Ikone des Hier und Heute. Ich spreche von Johnny Depp. Er hat das gewisse Etwas. Seine Kleidung gefällt mir, weil sie fantasievoll ist, aufgrund der unzähligen Accessoires wie Sonnenbrillen, Armbänder, Hals- und Gürtelketten, Ringe und Halstücher.

Die Biografien zum Schluss vervollständigen den Gesamteindruck. Frauen, die schöne, gut gekleidete Männer lieben, werden entzückt sein von dieser Fundgrube. Dennoch empfehle ich das Buch in erster Linie Männern, die sich hier die ein oder andere Anregung in puncto Outfit bei ihren Geschlechtgenossen holen können. Bankern empfehle ich dabei nicht, sich wie Bootsy Collins zu kleiden. Ich befürchte, das schreckt Bankkunden ab. :-))

Ein tolles Buch.

Bilder: Mit freundlicher Genehmigung des Prestel Verlages


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Rezension: 500 Jahre Mode

Dieses Buch enthält eine Fülle von Bildern, die die Damen- und Herrenmode vom Beginn des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts visualisieren. Die den Modebilder vorangestellten erhellenden Texte stammen von Rita Kopp.

Das Buch ist untergliedert in die Mode des

15. Jahrhunderts
16. Jahrhundert
17. Jahrhunderts
18. Jahrhunderts

Nach einem zweiseitigen Vorwort folgen Bilder von aufgetürmten Rokokofrisuren. Anschließend wird man mit der Mode des 15. Jahrhunderts vertraut gemacht, in dem Goldbrokat, Plattenpanzer, ein hüftlanges Wams, Schnabelschuhe, Flügel-Hörner- und Wulsthauben eine Rolle spielten. Man erfährt, dass die Kleiderordung in jenen Tagen Auskunft gibt, wie verzweifelt der Adel seine Standesprivilegien gerade bei der Mode gegen die arbeitende Bevölkerungschichten abgrenzen bzw. wieder herstellen wollte und wird über die Finessen der Mode jener Zeit aufgeklärt. Damals gab es für Damen erstmals ein Dekollté, das man durch eine extrem hohe Taille noch steigerte. Die Obergewänder beider Geschlechter glichen sich, auch die Schnabelschuhe waren unisex.

Anhand von unzähligen farbigen Darstellungen lernt man die Mode im 15. Jahrhunderts in Deutschland, Frankreich, England und Italien kennen.

Man erfährt u.a. wie ein Krieger, ein Diener, ein Bürger, eine vornehme Frau, ein Ritter, ein Page, ein König, ein Fürst, wie Witwen, Armbrustschützen, ein Gelehrter, florentinische Magistiratsposten und schließlich auch der Senator von Venedig gekleidet waren.

In der Folge kann man die Beinlinge von Männern aus jenen Tagen bewundern, die sehr sexy aussahen und eine Augenweide für Frauen waren, auch wenn sie gewiss nur heimlich einen Blick auf besagte hautenganliegende Beinlinge riskieren durften.

Man lernt auch die langen körperfernen Roben kirchlicher Würdenträger im 15. Jahrhundert kennen und die Hofmode adeliger Damen. In Burgund war die hohe Taillenlinie Mode und eine spitze Kopfbedeckung (Hennin) mit Schleier. In der Oberschicht gab es im 15. Jahrhundert bereits große nationale und lokale Divergenzen in Sachen Damenmode.

Das 16. Jahrhundert kannte u.a. das Schnürmieder, Ärmelschlitze, die Halskrause, den Reifrock, das Korsett und das Wams. In Deutschland schlug sich die soziale Dynamik, die von Reformation und Bauernbefreiung ausging, in der Mode nieder. Bäuerliche Trachtenelemente wie Schauben, Bundschuhe, Schnürmieder und Hemd fanden Eingang in die aktuelle Mode. In Spanien war Strenge, Prunk und Gleichförmigkeit das Erkennungszeichen beim spanischen Herren- und Damenkostüm.

Man lernt wiederum anhand zahlreicher Bilder die Mode jenes Jahrhunderts kennen und hier die vornehme Bürger- und Hoftracht in Deutschland, die Kleidung verschiedener französischer Könige, spanischer Edelleute und vornehmer italienischer Frauen, auch die Kleidung einer schweizer Patrizierin, eines elsässischen Edelmannes und einer Französin mit Medici-Kragen. Man kann die Gewänder französischer Edelleute bewundern, die wie an allen anderen Fürstenhöfen Europas zu Ende des 16. Jahrhunderts elegant spanisch gekleidet waren.

Das 17. Jahrhundert zeichnete sich in der Mode durch Spitzkragen, Becherstiefel, Schneppentaille, Allongeperücken, Bänder und Lederkoller aus. Ein Luxus in der Männermode waren sporenbesetzte Stiefel, die man zunächst im Krieg und später in Salons trug. Der Schlapphut auf dem Kopf wurde mit geradezu übertriebener Geste gelüftet. Die Frauen trugen Hüftpolster und schürzten den Oberrock hoch.

Auf Bildern im Anschluss lernt man die Kleidung aus dem 17. Jahrhundert von vornehmen Männern und Frauen in Deutschland kennen, auch ist die Kleidung Kardinal Mazarins abgebildet mit kleinen roten Schleifen und die prachtvollen Gewänder von Damen und Herren am französischen Hofe. Gezeigt werden niederländische Frauen verschiedener Stände und die Kleider eines toscanischen Adeligen, sowie einer vornehmen Elsässerin. Spitzenverzierte Schulterkragen folgten den steifen Kragen der spanischen Mode und Schleifenkrawatten zierten den adeligen Mann zu Ende des 17. Jahrhunderts. Geheime Botschaften wurden über Schönheitspflästerchen übermittelt. Schade, dass es diese Mode heute nicht mehr gibt. :-))

Im 18. Jahrhundert waren die Kleider zunächst raumgreifend und wuchtig, wie sich das allmählich änderte kann man anhand der Bilder sehr gut nachvollziehen. Wirklich schön ist die Kleidung eines Paares in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch die Dame mit Muff und die Mode in Frankreich, wie sie auf Seite 133/134 gezeigt wird gefällt mir gut. In den 1790er Jahren wurden dann die Chemisenkleider aktuell, die sehr anmutig ausschauen. Die Herrenkleidung war auch geschmackvoll: Beinkleider mit hohem Bund und kurzem Jäckchen.

Das 19. Jahrhundert schließlich kannte Chemisenkleider, Musselin, Turbanhaube, Kniebundhose, Gehrock, Zylinder, Smoking. Es ist interessant zu sehen, wie die Damen um 1814 Deutschland und Frankreich gekleidet waren, wie schön die Kleider im Biedermeier ausschauten und wie sich der Look in der Gründerzeit darstellte, als Frauen nun plötzlich sportlich aktiv wurden und hübsche Tenniskleider oder Kostüme zur Radausfahrt trugen.

Ein wunderbares Buch, das Modeinteressierte sicher sehr begeistern wird.

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