Die Autorin dieses Buches ist Sophie Gachet. Von ihr auch stammt die zwei Seiten umfassende Einleitung. Hier erläutert sie wie die zwanzigjährigen Engländerin Jane Birkin, die damals nach Paris ging, eine Mode-Ikone werden konnte. Man erfährt Näheres über Birkins Herkunft und auch, dass ihre Taufpatin die Schauspielerin und Dichterin Sarah Churchill, die Tochter von Winston Churchill war. Ein guter Start in ein buntes Leben.
Jane Birkin sei zwar in all den Jahren, die sie lebte, mit der Mode gegangen, jedoch ohne ihr zu verfallen. 2023 verstarb diese wunderschöne Frau im Alter von 76 Jahren. Dass man sich in diesem Buch in eine Fülle traumhafter Fotos vertiefen kann, die zum Ausdruck bringen, warum Jane Birkin noch heute als Modeikone gefeiert wird, ist sehr lobenswert.
Neben den eindrucksvollen Fotos warten erläuternde Texte auf die Leserinnen und immer auch Zitate. Gleich zu Beginn lese ich "Es ist unmöglich Stil zu haben, ohne Selbstvertrauen zu besitzen" und stimme sofort zu.
1968 übernahm Jane die Rolle des Models Penny Lane in dem psychodelischen Film "Wonderwall"“. Man lernt sie auf den ersten Fotos im Buch im "Flower-Power-Look" kennen, Miniröcke sind damals angesagt und stehen ihr blendend. Neben ihr ist ein geflochtener Korb- ihr Signatur-Accessoire-, positioniert, der in all den Jahrzehnten, die folgen, auf nicht wenigen Aufnahmen mit ihr eine Rolle spielt.
Hier im Buch sieht man sie 1970 erstmals mit dem französischen Filmschauspieler, Komponisten und Songwriter Serge Gainsbourg auf einem Foto und kann sie im schwarzen Minikleid bewundern mit einer indischen Halskette. Bereits 1969 erreichte das Paar europaweiten Bekanntheitsgrad mit dem Song "Je t `aime…moi non plus.." Ein Liebespaar, das dem damaligen Zeitgeist entsprach...
Seite für Seite erlebt man Jane mit einem sich zwar wandelnden, doch stets lässigen Stil, der im Grunde die Zeiten überdauert hat. Ihr Outfit in den späten Sechzigerjahren habe ganz im Zeichen von "Love an Peace" gestanden erfährt man und wundert sich nicht, wenn man liest, dass Jane Birkin schon Ende der Sechzigerjahre in Paris eine Stilikone war als sie die Kultsendung "Dim Dam Dom" moderierte.
Man liest Wissenswertes über diverse Kleidungsstücke und Accessoires, die mit dieser Frau unverkennbar in Verbindung gebracht werden, wenn es um ihren persönlichen Stil geht. Zur Sprache gebracht werden der Minirock, auch die Shorts, beide Kleidungsstücke Symbole der Freiheit. Weiter der Kaschmirpulli. Sie sagt "Ich trage gerne Pullover, die ein wenig zu groß sind, wie ein Männermantel, in dem man Zuflucht findet." Man kann Jane im Buch in unterschiedlichen Pullovern bewundern. Sie scheinen ihr Ding gewesen zu sein. Standen ihr auch sehr gut.
Man erfährt weiter, womit Jane sich in den 70ern befasst hat und wie sie sich kleidete. Liest über Schlagjeans und dass sie welche mit Knopfleiste trug. Demin wurde zu ihrem Markenzeichen. Birkin hat eine sehr gute Jeans-Figur. Jeans waren geradezu für sie geschaffen
Das T-Shirt zählte auch zu ihren ikonischen Kleidungsstücken. Sie trug es mit aufgerollten Ärmeln, trug auch Tanktops und den besagten geflochtenen Korb, der ihre Entspanntheit unterstrich. Seite für Seite erlebt man diese schöne Frau in großer Natürlichkeit und freut sich wie charmant sie lächelt, auch nach dem Bruch mit Serge.
Ein neuer Lebensabschnitt begann in den 1980ern. Man liest von ihrer Affinität zu Sneakers, auch zu Krawatten, lässig gebunden und dass sie sich im Alter von 40 Jahren von Miniröcken und Schlagjeans verabschiedete und zum androgynen Stil fand. Sie kommentiert "Weit geschnittene Männerkleidung hat ihre Reiz wenn man älter wird."
Lesenswert ist die Geschichte zur legendären "Birkin Bag" von Hermes und witzig ist, wie sie das edle Stück individuell gestaltet hat.
Man kann Jane sogar im Smoking und im Abendkleid bewundern. Stets erfreulich schlicht. Niemals aufgebrezelt. Diese Frau wirkte durch sich selbst. Das wusste sie, ohne arrogant zu werden.
Es macht Freude dieses Buch zu lesen und die tollen Aufnahmen zu bestaunen, die ein Stück Zeitgeist widerspiegeln, von dem man bedauert, dass er dem Gestern angehört.
Helga König